Von Philippsreut auf den Almberg

Tussetkapelle - Wanderung Philippsreut Almberg

Tussetkapelle – Wanderung Philippsreut Almberg

Der Aussichtsfelsen Almberg ist ein beliebtes Ausflugsziel an der Grenze zu Böhmen. Er bietet einen Rundblick zu den Gipfeln Rachel und Lusen sowie zum Dreisesselberg. An klaren Herbsttagen sind bei Föhn auch die Nördlichen Kalkalpen vom Toten Gebirge bis zur Zugspitze zu sehen.

Schwierigkeit: Leichte Tour
Gehzeit: 3:10 Std.
Länge: 11,2 km
Wegbeschaffenheit: Fast durchgehend bequeme Forst- und Waldwege
Ausgangspunkt: Kirche in der Ortsmitte von Philippsreut (974 m)
Anfahrt: Philippsreut liegt an der B 12 von Passau zum Grenzübergang nach Strážný (Kuschwarda) in Tschechien, wo die Straße in die Schnellstraße 4 nach Prag übergeht

Wanderkarte Philippsreut und Almberg

Karte Philippsreut und Almberg

Karte Philippsreut und Almberg

Auf dem Goldsteig

Der Wohnplatz Philippsreut wurde 1692 an einer Tränkstelle am ehemaligen Mittleren Goldenen Steig oder Winterberger Weg auf Veranlassung des Passauer Fürstbischofs Philipp von Lamberg gereutet (gerodet) und nach der Rodung nach dem Bischof Philipps-Reut genannt. Die Kirche wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs von Granaten zerstört und danach neu erbaut. An der Kreuzung in der Ortsmitte von Philippsreut A zwischen der Borromäuskirche und dem Gasthof Zum Pfenniggeiger – die nachgebaute Tussetkapelle steht weiter südlich – wechselt der Goldsteig bergwärts in den Hausörterweg und gleich halbrechts in die Von-Lamberg- Straße, verlässt sie auf dem Verbindungsweg zur Sportplatzstraße und tritt am Sportplatz in den rauschenden Wald ein. Ursprungholz nennt sich das Waldgebiet, und wenn man zurückdenkt, so gab es noch vor 400 Jahren niemand in diesen Wäldern: Die Dörfer Philippsreut, Hinter-, Mitterund Vorderfirmiansreut wurden erst im 17. Jahrhundert von den Passauer Fürstbischöfen Lamberg und Firmian gegründet, bis dahin lebten in dieser Region keine Menschen.

Aufstieg zum Almberg

Ganz plötzlich verlässt der Goldsteig den großen Wald mit Aufblick zum Almberg und strebt dem Weiler Alpe 1 (1:00 Std.) zu, wo die Gasthof- Pension Alpe zur Einkehr einlädt. Das Familienskigebiet am Almberg wird gern als »Gletscher des Bayerischen Waldes« bezeichnet, und damit der »Gletscher« nicht verschwindet, wurde 2010 bei Alpe der 8000 m² große Almbergspeichersee angelegt; er sorgt als Wasserreservoir für die Beschneiungsanlagen für noch mehr Schneesicherheit im Winter und ist in den Sommermonaten ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher und Wanderer. Während der Goldsteig an der Verzweigung in Alpe in den von einer Skipiste akzentuierten Westhang des Almbergs Richtung Mauth einschwenkt, folgen wir den Schildern geradeaus aufwärts zum aussichtsreichen Gipfel des Almbergs 2 (1:10 Std.), auf den zwei Lifte führen: Die Almbergsesselbahn im Westhang ist ebenso nur im Winter in Betrieb wie der Kleine Almberglift von Mitterfirmiansreut.

Rückweg vom Almberg nach Philippsreut

Landschaft bei Philippsreut

Landschaft bei Philippsreut

Vom Gipfel führt ein Wanderpfad recht steil durch die Nordflanke hinab zu einem Forstweg, der rechts weiterführt nach Mitterfirmiansreut 3 (1:30 Std.). In diesem beliebten Skizentrum gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten. Zu Königs Zeiten wurde der Ort 1911 überregional bekannt, als die Gläubigen eine »Schneekirche« erbauten, um auf den Seelsorgenotstand in ihrer schneereichen Gegend aufmerksam zu machen. Von dieser eindrucksvollen, doppeltürmigen Schneekirche existieren noch Fotos. 2011 verzögerte die milde Witterung den Bau einer neuen Schneekirche, doch am 28. Dezember konnte sie eingeweiht werden: 2000 Menschen strömten zum Gotteshaus aus Schnee, das für 190 Personen konzipiert war. Vom Dorfplatz in Mitterfirmiansreut führt die Unterlichtbuchetstraße kurz bergwärts, bis der mit der Ziffer 13 markierte Wanderweg Richtung Vorderfirmiansreut abzweigt. Anfangs aussichtsreich, dann im Wald schlängelt sich der bequeme Weg zur Hausstadtmühle 4 (2:10 Std.) und folgt dem Mühlenweg in den Wiesen nach Vorderfirmiansreut 5 (2:35 Std.); an der Gabelung links auf der Dorfstraße zur Durchgangsstraße (Glasstraße), an ihr kurz rechts, bis bergwärts der Wanderweg abzweigt, der recht steil aufwärts und zum Goldsteig führt. Auf ihm geht es zurück nach Philippsreut E (3:10 Std.).

Tipp
Die Tussetkapelle (tschech. Stožecká kaple) in einem Naturschutzgebiet unterhalb des aussichtsreichen Tussetfelsens auf dem von den Moldauarmen Kalte und Warme Moldau umflossenen Tussetberg (Stožec) ist die berühmteste Quellkirche des Böhmerwaldes. Über einer seit alters als heilend verehrten Quelle ließ der Schmied Jakob Klauser aus Volary im Jahr 1791 eine Kapelle errichten zum Dank dafür, dass ihn das Wasser von Blindheit geheilt hatte; geweiht wurde das Waldkirchlein der Gottesmutter Maria, der Schutzfrau des Böhmerwaldes. Die Kunde vom Bau der Kapelle über dem sehend machenden Quell verbreitete sich wie ein Lauffeuer, 1804 ließ die Stadt Volary das Holzkirchlein in eine Kirche aus festem Mauerwerk umbauen, die erste offizielle Messe wurde am 24. Juni 1865 gelesen: Bei dieser Gelegenheit ließ Erzbischof Friedrich von Schwarzenburg die Kirche um einen hölzernen Vorbau mit kunstvollem Schnitzwerk erweitern. Die größte Messe erlebte die Kapelle am Fest Mariä Himmelfahrt 1920, als mehr als 5000 Pilger aus Böhmen, Bayern und Österreich im Rahmen einer Friedenswallfahrt an der Quellkirche zusammenkamen. Leider verhinderte die Friedenswallfahrt nicht, dass Hitler einen deutschen Pass erhielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwahrloste die Kapelle bis zur Abbruchreife, sodass im bayerischen Grenzort Philippsreut eine originalgetreue Kopie errichtet wurde. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wurde die Kapelle 1989 wieder aufgebaut und 1990 neu geweiht.

Höhenprofil Philippsreut-Almberg

Höhenprofil Philippsreut-Almberg

Höhenprofil Philippsreut-Almberg

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